Mo 27.02.12, 20.00 Uhr
Cham, Klostermühle Altenmarkt
JONAS JONASSON : Der 100jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Literaturgespräch
"Wenn du mit einem Schweden um die Wette saufen willst, solltest du zumindest Finne oder Russe sein"
Allan Karlsson hat ein stolzes Alter erreicht: 100 Jahre zählt der Schwede, der geistig noch verblüffend fit ist und deshalb keine Lust hat, im Altersheim mit den Greisen, der lästigen Schwester Alice und dem Bürgermeister seinen Geburtstag zu feiern. Er klettert kurzerhand aus dem Fenster in Pantoffeln und mit wenig Geld und marschiert zum Busbahnhof. Dort stiehlt er einem jungen Mann ebenso spontan einen Koffer, in dem zufällig mörderisch viele Kronen stecken, und mit seiner völlig ungeplanten Busfahrt nach Byringe beginnt ein abenteuerlicher Roadtrip, der Allan neue Freunde, viele Zeitungsschlagzeilen, zwei Todesopfer und die Bekanntschaft mit einem Elefanten bescheren wird. Den Hundertjährigen kann aber so schnell nichts überraschen, hat er doch mehr erlebt, als auf eine Kuhhaut passt: Er hat mit General Franco, Präsident Truman und Stalin getrunken, seine Finger beim Bau der Atombombe im Spiel gehabt, eine von Maos Frauen gerettet, jahrelang Urlaub gemacht und unter anderem Brücken, Autos sowie eine gesamte russische Stadt in die Luft gesprengt. Und das ist nur ein Auszug aus seinen Erlebnissen in den letzten 100 Jahren. Man könnte auch sagen: Allan Karlsson hat seine Lebenszeit voll ausgenutzt und er denkt auch jetzt nicht daran, es mal ein bisschen langsamer angehen zu lassen.
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand ist ein Buch, das mit schwingenden Schritten daherkommt, keine Ansprüche stellt, nicht hochliterarisch sein mag, sondern vor allem eins will: Spaß machen. Dies ist ein wildes, kurioses, erfreulich unernstes Buch, in dem ein Autor der Schwede Jonas Jonasson sich nach Herzenslust ausgetobt hat, ganz ohne Rücksicht auf historische Tatsachen, die Grenzen der Realität oder Geschmacklosigkeit. Das ist dermaßen verrückt und übertrieben, dass man kopfschüttelnd lachen muss, ob man will oder nicht. Protagonist Allan interessiert sich nicht die Bohne für Politik hat aber, als unbedarfter, freundlich-naiver Hans-guck-in-die-Luft, größten Einfluss auf so ungefähr alle wichtigen Ereignisse der gesamten Weltgeschichte. Dieser Roman ist komplett erstunken und erlogen und will das gar nicht verbergen, nein, charmant und mit ironischem Augenzwinkern führt Jonas Jonasson den Leser an der Nase herum und tischt ihm eine gigantische Lügengeschichte auf. Um sich das Vergnügliche aus diesem Buch herauszupicken, muss man eine ordentliche Portion und den Willen, belustigt zu werden, mitbringen; ich vermisse bei all der Clownerie ab und zu die Abgeklärtheit von John Irving oder Arto Paasilinna. Die absurden Rückblenden sind in meinen Augen wesentlich witziger als die verquere Flucht Allans und seiner Freunde vor der schwedischen Mafia und der Polizei. Gesoffen wird unendlich viel in diesem Roman, der Schnaps fließt in Strömen, und unter diesem Aspekt verwundert Allans Alter nicht: Er ist in Alkohol eingelegt und konserviert. Es gibt kaum Adjektive, die diesem Buch gerecht würden: amüsant ist es und herausfordernd, opulent, unglaublich, bunt. Wer offen dafür ist, hört die Botschaft heraus, das Leben nicht so ernst zu nehmen. Fazit: Münchhausen at his best!
Allan Karlsson hat ein stolzes Alter erreicht: 100 Jahre zählt der Schwede, der geistig noch verblüffend fit ist und deshalb keine Lust hat, im Altersheim mit den Greisen, der lästigen Schwester Alice und dem Bürgermeister seinen Geburtstag zu feiern. Er klettert kurzerhand aus dem Fenster in Pantoffeln und mit wenig Geld und marschiert zum Busbahnhof. Dort stiehlt er einem jungen Mann ebenso spontan einen Koffer, in dem zufällig mörderisch viele Kronen stecken, und mit seiner völlig ungeplanten Busfahrt nach Byringe beginnt ein abenteuerlicher Roadtrip, der Allan neue Freunde, viele Zeitungsschlagzeilen, zwei Todesopfer und die Bekanntschaft mit einem Elefanten bescheren wird. Den Hundertjährigen kann aber so schnell nichts überraschen, hat er doch mehr erlebt, als auf eine Kuhhaut passt: Er hat mit General Franco, Präsident Truman und Stalin getrunken, seine Finger beim Bau der Atombombe im Spiel gehabt, eine von Maos Frauen gerettet, jahrelang Urlaub gemacht und unter anderem Brücken, Autos sowie eine gesamte russische Stadt in die Luft gesprengt. Und das ist nur ein Auszug aus seinen Erlebnissen in den letzten 100 Jahren. Man könnte auch sagen: Allan Karlsson hat seine Lebenszeit voll ausgenutzt und er denkt auch jetzt nicht daran, es mal ein bisschen langsamer angehen zu lassen.
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand ist ein Buch, das mit schwingenden Schritten daherkommt, keine Ansprüche stellt, nicht hochliterarisch sein mag, sondern vor allem eins will: Spaß machen. Dies ist ein wildes, kurioses, erfreulich unernstes Buch, in dem ein Autor der Schwede Jonas Jonasson sich nach Herzenslust ausgetobt hat, ganz ohne Rücksicht auf historische Tatsachen, die Grenzen der Realität oder Geschmacklosigkeit. Das ist dermaßen verrückt und übertrieben, dass man kopfschüttelnd lachen muss, ob man will oder nicht. Protagonist Allan interessiert sich nicht die Bohne für Politik hat aber, als unbedarfter, freundlich-naiver Hans-guck-in-die-Luft, größten Einfluss auf so ungefähr alle wichtigen Ereignisse der gesamten Weltgeschichte. Dieser Roman ist komplett erstunken und erlogen und will das gar nicht verbergen, nein, charmant und mit ironischem Augenzwinkern führt Jonas Jonasson den Leser an der Nase herum und tischt ihm eine gigantische Lügengeschichte auf. Um sich das Vergnügliche aus diesem Buch herauszupicken, muss man eine ordentliche Portion und den Willen, belustigt zu werden, mitbringen; ich vermisse bei all der Clownerie ab und zu die Abgeklärtheit von John Irving oder Arto Paasilinna. Die absurden Rückblenden sind in meinen Augen wesentlich witziger als die verquere Flucht Allans und seiner Freunde vor der schwedischen Mafia und der Polizei. Gesoffen wird unendlich viel in diesem Roman, der Schnaps fließt in Strömen, und unter diesem Aspekt verwundert Allans Alter nicht: Er ist in Alkohol eingelegt und konserviert. Es gibt kaum Adjektive, die diesem Buch gerecht würden: amüsant ist es und herausfordernd, opulent, unglaublich, bunt. Wer offen dafür ist, hört die Botschaft heraus, das Leben nicht so ernst zu nehmen. Fazit: Münchhausen at his best!
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Moderation: Klaus Bucher
